PERMANENTE ERDMIETE

Gemüse aus dem eigenen Garten kann in Erdmieten über den Winter frisch gelagert werden. Erdmieten im Garten sind aber aufgrund von Schnee und Kälte nicht immer gut erreichbar. Das Gemüse muss nämlich aufwendig ausgegraben werden. Daher legte ich eine Erdmiete in einem Geräteschuppen an. Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Bau einer solchen Erdmiete und der anschließenden Gemüseeinlagerung.    

Gemüse aus dem eigenen Garten lagern und haltbar machen

Wer in seinem Garten Gemüse anbaut, erntet im Herbst oft viel davon. Große Mengen haben im Kühlschrank aber oftmals nicht Platz. Zudem ist die Haltbarkeit im Kühlschrank je nach Gemüseart beschränkt. Daher wird Gemüse oft eingefroren. Aufwendigere Methoden zum haltbar machen sind das Einkochen und Einlegen sowie das Fermentieren und Trocknen. In einem Erdkeller lässt sich Gemüse auch sehr gut lagern. Doch nur wenige Gartenbesitzer haben einen solchen. Erdmieten bieten da eine geeignete Alternative, um auch in der kalten Jahreszeit frisches Gemüse aus eigenem Anbau zu genießen. Durch die klimatische Veränderung hin zu wärmeren Wintern wird es zudem in immer mehr Regionen möglich, das ganze Jahr Gemüse anzubauen und zu ernten. In einigen Gebieten stellt das aber aufgrund ihrer Lage keine Option dar. Ich baue zum Beispiel mein Gemüse auf einer Höhe von 1400 Metern über dem Meeresspiegel an. Im Winter sind da zweistellige Minusgrade und große Schneehöhen von über einem Meter keine Seltenheit. Da es aus diesem Grund bei uns schwierig ist, im Winter Erdmieten effektiv zu nutzen, befasste ich mich mit einer alternativen Lösung für einen Erdkeller beziehungsweise eine Erdmiete. 

Eine dauerhafte Erdmiete anlegen

Erdmieten werden im Freien und dort meistens direkt im Garten angelegt. Es gibt auch die Möglichkeit, im Keller Kübel oder andere Gefäße mit Sand oder Erde zu befüllen. Allerdings fehlt dort der Kontakt zum Erdreich und dessen Feuchtigkeit (außer man besitzt einen Erdkeller). Durch eine zu hohe Temperatur mit geringer Luftfeuchtigkeit trocknet mit der Zeit der Sand und in Folge das Gemüse aus und verdirbt.

Entwurfszeichnung einer permanenten Erdmiete.

Eine Erdmiete in einem Schuppen, einem Gartenhäuschen oder einfach unter einer Überdachung bietet den großen Vorteil der Zugänglichkeit. Klassische Erdmieten werden mit Stroh und Erde bedeckt und müssen auch ohne Schnee freigelegt werden. Diese Arbeit würde man sich wohl kaum wegen einer Karotte antun. Im Gegensatz zu einer Erdmiete, die sich in einem Geräteschuppen befindet. Diese ist vergleichbar mit einem Erdkeller und das ganze Jahr zugänglich und nutzbar (Getränke kühlen im Sommer).

Eine Erdmiete im Geräteschuppen anlegen

Dafür wird vereinfacht gesagt ein Loch in den Boden gegraben, in dem das Gemüse eingelagert werden kann. Grundsätzlich gibt es auch die Möglichkeit, kein Loch zu graben, sondern einen Aufbau zu fertigen (ähnlich einem Hochbeet), allerdings würde man damit zusätzlichen Platz in Anspruch nehmen. Zudem kann eine solche Variante frostempfindlicher sein. In vielen Artikeln zum Thema Erdmieten werden zum Eingraben ausrangierte Trommeln von Waschmaschinen genutzt. Dagegen spricht auch nichts, ich hatte nur keine zur Verfügung und habe daher Edelstahl Lochblech verwendet. Das Lochblech wurde zu einer offenen Box mit den Maßen 300 x 300 x 300 mm gebogen und zusammengeschweißt. Beim Schweißen reichen Punktverschweißungen. Vordergründig ist es wichtig, dass die Bodenfeuchte zirkulieren kann und Wühlmäuse nicht eindringen können.

Metallkorb zusammengeschweißt mit Holz und Isoliermaterial

Zum Abdecken der Erdmieten können Metalldeckel verwendet werden. In einem Schuppen kann aber auch mit Holz gearbeitet werden, da keine Feuchtigkeit von oben zu erwarten ist. Zur Herstellung eines Rahmens, der als Auflage für den Deckel dient, habe ich Lärchenholz verwendet. Alternativ könnte ebenso Eichenholz genommen werden. Durch den Kontakt mit der Erde und deren Erddämpfe beginnt Holz auch in geschlossenen Räumen schneller morsch zu werden. Lärchen- und Eichenholz ist unter solchen Bedingungen langlebiger als andere Holzarten wie zum Beispiel Fichtenholz.

Rahmen für Deckel

Der Rahmen wurde nach dem Zuschnitt auf der Kreissäge stumpf zusammengeleimt und -geschraubt. Anschließend mit Pan-Head-Schrauben durch die Löcher am Lochblech befestigt.

Deckel

Im nächsten Arbeitsschritt wurde der Deckel aus Fichtenleisten, einer Dreischicht- und Sperrholzplatte gefertigt. Dafür wurden zuerst alle Teile mit der Kreissäge zugeschnitten und anschließend zusammengeschraubt. Zur zusätzlichen Wärmedämmung wurde eine Isolierung aus Hanf eingelegt. Auf eine solche Dämmung kann aber in der Regel verzichtet werden. Ich würde trotzdem auf der Innenseite eine zweite Platte aufschrauben, damit ein Falz entsteht und der Deckel richtig schließt (Querschnitt gut in der Entwurfsskizze zu sehen). Zum Abschluss wurden alle Kanten mit Schleifpapier gebrochen und ein Kistengriff am Deckel montiert.

Box eingraben

Im letzten Arbeitsschritt wurde das nötige Erdmaterial ausgehoben, die Box hineingestellt, ausgerichtet und zum Abschluss seitlich wieder mit Erde aufgefüllt. Wichtig ist abschließend zu kontrollieren, ob der Deckel gut schließt, damit keine Mäuse unter den Deckel kommen. Ansonsten einfach etwas Schweres drauflegen. Bei großer Kälte kann auch zusätzlich isolierendes Material auf die Erdmiete gelegt werden, in der Regel reicht allerdings ein 4-5 Zentimeter dicker Holzdeckel aus. Zur Belüftung wurden später noch Löcher in den Deckel gebohrt. Die Notwendigkeit der Lüftung ist dabei abhängig von den Gegebenheiten.

Gemüse einlagern

Nach der Fertigstellung konnte das erste Gemüse eingelagert werden. Ende Oktober räumte ich einen Teil meiner Ernte von Karotten, Sellerie und schwarzem Rettich in die Erdmiete ein. Dazu schichtete ich das Gemüse, ohne es zusätzlich mit Sand oder Erde zu bedecken, in die Box. Beim Gemüse ist besonders darauf zu achten, dass keine Beschädigungen wie zum Beispiel Wurmlöcher vorliegen. Solche Stellen fangen mit der Zeit an zu faulen und können dabei auch anderes Gemüse anstecken. Zur Unterteilung der Gemüsesorten habe ich Holzabfälle verwendet. Bis Weihnachten war der Großteil der Ernte aufgebraucht. Bis auf einzelne Stellen waren alle Karotten und der Sellerie knackig und eisenfrisch - wie frisch geerntet. Anfang Februar wurde der letzte schwarze Rettich aus der Erdmiete genommen. Dieser war immer noch tadellos frisch, hatte aber bereits stark ausgetrieben. Solches Wurzelgemüse eignet sich besonders gut zur Lagerung. Der schwarze Rettich hätte daher bestimmt noch wesentlich länger in meiner Erdmiete eingelagert werden können.

Eingelagertes Gemüse in Erdmiete

Fazit zur Erdmiete im Geräteschuppen

Mit einer Erdmiete hat man auch im Winter frisches Gemüse aus eigenem Anbau zur Verfügung. Es gibt viele Möglichkeiten, eine Erdmiete anzulegen. Eine Erdmiete im Garten hat den Nachteil, dass es mühsam sein kann, im Winter das Gemüse auszugraben. Zudem rentieren sich kleinere Mengen (zum Beispiel drei Karotten) nicht um eine solche Erdmiete zu öffnen. Geräteschuppen oder überdachte Bereiche ermöglichen erdkellerartige Lagerplätze, die das ganze Jahr zugänglich und nutzbar sind. Das Ziel dieses Projektes war es, bestimmte Gemüsearten länger frisch genießen zu können. Vom Herbst bis in den Winter (1-3 Monate), aber nicht bis zum nächsten Sommer. Dafür wurde eine kleine Erdmiete in einem Geräteschuppen angelegt. Eine längere Nutzung wurde unter anderem bei den Karotten erreicht. Zu Beginn wurden alle Möhren aus dem Kühlschrank verwendet (ca. 1 Monat nach der Ernte). Im Anschluss kamen die Möhren aus der Erdmiete dran. Damit konnte der Verzehr von frischen Karotten aus eigenem Anbau um einen ganzen Monat verlängert werden. Andere Wurzelgemüse wie zum Beispiel der Schwarze Rettich könnten bestimmt über den gesamten Winter mit dieser Methode gelagert werden. Man sollte aber mindestens alle zwei Wochen eine Kontrolle durchführen, ob nichts schimmelt oder fault. Die Belüftung und der Frostschutz der Erdmiete müssen den Gegebenheiten angepasst werden. Diese können witterungsbedingt von Jahr zu Jahr schwanken (wie kalt es im Winter wird). Auf jeden Fall ist darauf zu achten, dass keine Wühlmäuse in die Erdmiete eindringen können. Für mich hat sich dieses Projekt auf jeden Fall gelohnt und ich bin schon auf den Kühleffekt im Sommer gespannt.

Schwarzer Rettich aus der Erdmiete im Februar

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